Beim ersten Blick auf eine Gitarre entsteht schnell ein kleines Missverständnis: Gemeint sind meistens nicht die Seiten des Korpus, sondern die Saiten. Ich erkläre, warum die Standardgitarre sechs Saiten hat, welche Ausnahmen es gibt und was mit den seitlichen Bauteilen tatsächlich gemeint ist.
Die wichtigsten Zahlen und Begriffe auf einen Blick
- Eine gewöhnliche Gitarre hat sechs Saiten.
- Die seitlichen Holzteile des Korpus heißen Zargen.
- Eine zwölfsaitige Gitarre besitzt sechs doppelte Saitenpaare.
- Je nach Bauart gibt es auch Gitarren mit sieben, acht oder mehr Saiten.
- Die sechs Saiten sind üblicherweise auf E, A, d, g, h und e' gestimmt.

Meistens sind sechs Saiten gemeint
Die kurze Antwort lautet sechs Saiten. Das gilt für die typische Konzertgitarre, Westerngitarre und E-Gitarre, also für die Instrumente, die Anfänger in Musikschulen, Bands und auf Bühnen am häufigsten sehen.
Die Standardstimmung lautet von der tiefsten zur höchsten Saite E, A, d, g, h und e'. Diese Anordnung hat sich über lange Zeit etabliert, weil sie Akkorde, Tonleitern und Begleitmuster gut spielbar macht. Genau deshalb beziehen sich die meisten Lehrbücher, Tabulaturen und Griffdiagramme auf eine sechssaitige Gitarre.
In der Praxis ist die Saitenzahl für Einsteiger aber nur der erste Orientierungspunkt. Entscheidend sind auch Mensur, Halsbreite, Saitenmaterial und Korpusform. Eine Gitarre mit sechs Saiten kann sich beim Spielen also deutlich anders anfühlen als ein anderes Modell mit derselben Anzahl.
Was mit den Seiten des Korpus gemeint ist
Wenn tatsächlich die seitlichen Flächen der Gitarre gemeint sind, spricht der Gitarrenbau von den Zargen. Sie verbinden bei einer akustischen Gitarre die Decke mit dem Boden und bilden gemeinsam mit diesen Teilen den Klangkörper.
Eine feste Anzahl von Korpus-Seiten gibt es dabei nicht, wie man es etwa von den Saiten kennt. Die Zargen bestehen aus einer linken und einer rechten Seite des Korpus, werden aber häufig aus gebogenen Holzstreifen gefertigt. Ihre Form und ihr Material beeinflussen Stabilität, Optik und teilweise auch die Ansprache des Instruments.
Bei einer E-Gitarre fällt dieser Unterschied besonders auf. Viele Modelle besitzen keinen hohlen Resonanzkörper wie eine Konzert- oder Westerngitarre, sondern einen massiven Korpus. Die seitlichen Flächen sind trotzdem vorhanden, spielen für die Tonerzeugung aber eine andere Rolle als die Zargen einer Akustikgitarre.
Diese Gitarren haben mehr oder weniger Saiten
Die sechssaitige Gitarre ist der Standard, aber sie ist nicht die einzige Variante. Ich würde Einsteigern empfehlen, zunächst mit sechs Saiten zu beginnen, weil Unterrichtsmaterial und Ersatzteile dafür am leichtesten zu finden sind. Andere Modelle lohnen sich vor allem dann, wenn ein bestimmter Klang oder Musikstil im Mittelpunkt steht.
| Gitarrentyp | Anzahl der Saiten | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Konzertgitarre | 6 | Klassik, Liedbegleitung, Unterricht |
| Westerngitarre | 6 | Pop, Folk, Country und Akustik-Rock |
| E-Gitarre | 6 | Rock, Blues, Pop, Metal und Jazz |
| Zwölfsaitige Gitarre | 12 | Breiter, schimmernder Begleitklang |
| Siebensaitige Gitarre | 7 | Tiefere Stimmen, Jazz und moderne Rockstile |
| Achtsaitige Gitarre | 8 | Progressive Metal und experimentelle Musik |
Bei der zwölfsaitigen Gitarre handelt es sich nicht einfach um eine normale Gitarre mit sechs zusätzlichen, völlig unabhängigen Tönen. Die Saiten sind paarweise angeordnet und werden meist gemeinsam angeschlagen. Dadurch entsteht der typische volle, leicht schwebende Klang.
Siebensaitige und achtsaitige Instrumente erweitern den Tonumfang dagegen vor allem nach unten. Das ist für tiefe Riffs und moderne Spieltechniken interessant, macht das Greifen und Dämpfen aber anspruchsvoller. Mehr Saiten bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Möglichkeiten für jeden Spieler.
Warum sich sechs Saiten als Standard durchgesetzt haben
Sechs Saiten bieten einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Tonumfang, Spielkomfort und musikalischer Vielseitigkeit. Man kann damit Basslinien, Akkorde, Melodien und viele Spieltechniken abdecken, ohne dass der Hals unnötig breit wird.
Auch die traditionelle Stimmung hilft dabei. Die Abstände zwischen den meisten Saiten erleichtern typische Akkordformen und machen es möglich, viele Muster über das Griffbrett zu verschieben. Für Anfänger ist das ein echter Vorteil, weil sich gelernte Griffe in zahlreichen Liedern wiederverwenden lassen.
Eine zusätzliche Saite kann den Klangbereich erweitern, verlangt aber mehr Kontrolle. Gerade bei einer Siebensaiter oder Achtsaiter müssen die tiefen Saiten sauber gedämpft werden, damit beim Spielen kein ungewolltes Dröhnen entsteht. Meine Erfahrung ist, dass Anfänger den praktischen Mehraufwand oft unterschätzen und sich von der beeindruckenden Optik zu schnell überzeugen lassen.
Welche Saitenzahl für welchen Zweck sinnvoll ist
Für klassische Stücke und den Einstieg ist eine sechssaitige Konzertgitarre mit Nylonsaiten meist die angenehmste Wahl. Die weichen Saiten schonen die Finger, während der breitere Hals eine saubere Haltung der Greifhand unterstützt.
Wer Pop- und Rocksongs begleiten möchte, fährt mit einer sechssaitigen Westerngitarre oder E-Gitarre besser. Stahlsaiten liefern bei der Westerngitarre mehr Brillanz und Lautstärke, fühlen sich anfangs aber härter an. Bei einer E-Gitarre sind die Saiten oft dünner, dafür kommen Verstärker, Effekte und eine andere Spieltechnik hinzu.
Eine zwölfsaitige Gitarre passt gut, wenn ein breiter, glitzernder Akkordklang gefragt ist. Für lange Übungseinheiten oder filigrane Soli ist sie wegen der höheren Saitenspannung und des größeren Kraftaufwands jedoch nicht immer die bequemste Lösung.
- Anfänger: sechssaitige Konzert-, Western- oder E-Gitarre
- Akustische Begleitung: sechssaitige Westerngitarre
- Klassische Musik: sechssaitige Konzertgitarre
- Tiefe Metal-Riffs: sieben- oder achtsaitige E-Gitarre
- Schwebender Akkordklang: zwölfsaitige Gitarre
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Saitenzahl mit der Qualität des Instruments zu verwechseln. Eine gute sechssaitige Gitarre, die bequem in der Hand liegt und sauber eingestellt ist, bringt beim Lernen meist mehr als ein kompliziertes Modell mit zusätzlichen Saiten.
Die kurze Antwort für die richtige Gitarre
Wenn jemand fragt, wie viele Seiten beziehungsweise Saiten eine Gitarre hat, ist mit der üblichen Bauform fast immer die Antwort sechs Saiten gemeint. Die seitlichen Holzteile heißen Zargen und werden nicht nach einer festen Standardzahl gezählt.
Für den Kauf würde ich deshalb zuerst auf Spielgefühl, Halsbreite, Saitenart und Musikstil achten. Die zusätzliche Saite ist erst dann sinnvoll, wenn sie einen konkreten musikalischen Zweck erfüllt und nicht nur interessant aussieht.